Irren ist menschlich e.V.

Verein für Psychiatrie-Erfahrene

in und um Regensburg

Unsere Buchtipps

 

Jahnke, Bettina:

Vom Ich-Wissen zum Wir-Wissen. Mit EX-IN zum Genesungsbegleiter.

Neumünster: Paranus Verlag 2012. 200 ISBN D: 19,95 €

 

Das im Herbst 2012 erschienene Buch Vom Ich-Wissen zum Wir-Wissen. Mit EX-IN zum Genesungsbegleiter wurde von Bettina Jahnke – einer Dipl.-Journalistin, EX-IN-Absolventin und Genesungsbegleiterin – geschrieben.  Darin sind  vierzehn Interviews mit Menschen gesammelt, die am Projekt EX-IN (engl.: experienced involvement) teilgenommen haben. Die Ausbildung EX-IN gibt es in Deutschland seit 2008. Die EX-IN Absolventen sind Experten aus Erfahrung,  die selbst eine psychiatrische Behandlung erlebt haben. Die Idee, die hinter dem Projekt steht: Mit-Patienten in der Psychiatrie können oft wichtige Begleiter und Helfer sein (mehr Infos online: http://www.ex-in.info/).

Um zum Experten aus Erfahrung zu werden, müssen die angehenden EX-IN Genesungsbegleiter den Umgang mit ihrer eigenen psychischen Erkrankung reflektieren. Dabei tauschen sie sich innerhalb der EX-IN-Ausbildungsgruppe aus und gelangen vom Ich-Wissen  zum Wir-Wissen, indem sie über ihre persönlichen Erfahrungen mit ihrer Erkrankung sprechen. Die Qualifizierung als EX-IN Genesungsbegleiter bildet dazu aus, anderen von einer psychiatrischen Erkrankung betroffenen Menschen in Krisen weiterhelfen  zu können. Die Ausbildungsteilnehmer beschäftigen sich mit Fachbegriffen wie Inklusion, Empowerment, Recovery, Salutogenese, Trialog, Resilienz etc., die sie auch in den Interviews mit Bettina Jahnke reflektieren. EX-IN zeigt, dass die Professionalisierung  von Betroffenen ein sinnvoller Weg in der psychiatrischen Versorgung sein kann.

In ihrem Buch stellt Bettina Jahnke zunächst das Projekt EX-IN, die Methodik sowie die Fachbegriffe und Module kurz vor. Es folgen vierzehn Interviews mit EX-IN-Teilnehmern und Trainern. Dr. Angelika Filius spricht über Empowerment & Lehren/Lernen,  Arend Harms über Empowerment, Krisenintervention & Selbsterforschung, Dr. Michael Herrmann über Recovery & Beraten/Begleiten, Günther Höfel über Erfahrung/Teilhabe, Fürsprache und Selbsterforschung, Irmela Boden über das Portfolio  und die Gruppendynamik, Sabine Joel über Salutogenese & Assessment, Margarete Koopmann über Trialog & Selbsterforschung, Ursula Müller über Selbsterforschung, Gruppendynamik und neue Entwicklungsperspektiven, Arno Neuhaus über Recovery,  Selbsterforschung & Beraten/Begleiten, Silke Oberhäuser über ihren steinigen Recoveryweg, Torsten Schilinsky über Trialog, Selbsterforschung und die Arbeit als Genesungsbegleiter, Dr. Karl Steinhäuser über Empowerment & Fürsprache, Jana  Westphal über Salutogenese & Lehren/Lernen, Klaus Zaloudek über Erfahrung/Teilhabe & Krisenintervention.

Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur Etablierung des EX-IN-Programms in Deutschland. Die Interviews geben interessante Einblicke in die Ausbildung und stellen einige Teile des Curriculums vor. Auch viele persönliche Herausforderungen, denen sich  die Teilnehmer stellen, um eine Qualifizierung als Genesungsbegleiter zu erlangen und den Schritt vom Ich-Wissen zum Wir-Wissen zu gehen, werden beschrieben. Die Interviews sind sehr individuell auf die einzelnen EX-IN Teilnehmer und Trainer zugeschnitten,  die sich mit ihren persönlichem Erfahrungen und ihrem Profil einbringen können. Alle, die über eine Mitarbeit oder Teilnahme am EX-IN-Projekt nachdenken, sei dieses Buch nachdrücklich empfohlen! (S.A.)

 

Morgen bin ich ein Löwe. Wie ich die Schizophrenie besiegte

von Arnhild Lauveng

Originaltitel: I morgen var jeg alltid en løve

Originalverlag: Cappelens

Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob

Taschenbuch, Broschur, 224 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-74087-1

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90* (* empf. VK-Preis)

Verlag: btb

Erscheinungstermin: 6. April 2010

 

Der Autorin ist das gelungen, was sich viele Betroffene wünschen: eine vollständige Heilung von Schizophrenie. Das klingt für Viele immer noch unmöglich, aber viele Betroffene haben es schon vorgelebt, das bekannteste Beispiel in Deutschland  ist wohl Dorothea Buck, Arnhild Lauveng ist ein weiteres Beispiel für eine solche Möglichkeit. Bemerkenswert ist dabei vor Allem, dass Lauvengs Heilung einher ging mit ihrer Ausbildung zur klinischen Psychologin in Norwegen. Sie arbeitet heute in  einer Klinik und hilft anderen Betroffenen auf einen persönlichen Genesungsweg zu kommen. Was hat ihr diesen Weg ermöglicht? Wie Viele aus der „Recovery“- Bewegung spricht auch sie von Hoffnung, die es ihr ermöglicht hat, an einer  Perspektive festzuhalten, die zuerst wie ein schöner Traum erschien: Selbst Psychologin zu werden.  Dabei war es nötig, dass sich Menschen gefunden haben, die bereit waren mit ihr an diesem Ziel festzuhalten, daran zu glauben, die sich auch nicht  von Rückschlägen haben entmutigen lassen.

Lauveng schreibt fesselnd von ihrer Symptomatik, die sie gelernt hat zu enträtseln und die mit einer Auseinandersetzung mit den Inhalten immer überflüssiger wurde. Auch hier ein Beispiel für den möglichen Sinn von Psychosen, einer Botschaft  die in den Symptomen schlummert. Hoffnung macht Sinn. (Klaus Nuißl)

 

 

Weitere Rezensionen folgen in Kürze.

Empfehlenswert ist das Verlagsprogramm des Paranus Verlags unter www.paranus.de, das viele Erfahrungsberichte und Sachbücher zum Thema Psychiatrie beinhaltet.

 

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